Seit 2024 läuft in unserem Verein ein ehrenamtliches Projekt zur Obstbaumkartierung. Ziel ist es, den vorhandenen Obstbaumbestand systematisch zu erfassen, die Sortenvielfalt sichtbar zu machen und damit eine wichtige Grundlage für Beratung, Pflege und den langfristigen Erhalt alter und neuer Obstsorten in unserer Kleingartenanlage zu schaffen.
Gefördert von der Hansestadt verbindet das Projekt praktisches Engagement mit Fachwissen, Dokumentation und Austausch zwischen Generationen. Damit wird Obst nicht nur als Ertrag im Garten, sondern auch als Teil biologischer Vielfalt, Vereinsgeschichte und gärtnerischer Kultur sichtbar.
Die Obstbaumkartierung lebt von Kooperationen. Besonders wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit dem Streuobstnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern und weiteren Fachpartner*innen rund um Sortenkenntnis, Dokumentation und den Erhalt regionaler Obstvielfalt.
Die Obstbaumkartierung ist weit mehr als eine Bestandsliste. Sie hilft uns dabei, die Diversität in der Kleingartenanlage genauer zu verstehen und sichtbar zu machen. Gerade in Kleingärten schlummert oft ein überraschend großer Schatz an alten und neueren Obstsorten, deren Bedeutung im Alltag leicht übersehen wird.
Der Anlass für das Projekt liegt deshalb einerseits in der Erfassung dieser Vielfalt. Andererseits stärkt die Kartierung die Fachberatung im Verein: Wer weiß, welche Arten und Sorten vorhanden sind, kann gezielter zum Erhalt, zur Pflege, zum Schnitt und zur sinnvollen Erweiterung des Obstbaumbestandes beraten.
Für unseren Verein bedeutet das konkret: Wir dokumentieren den aktuellen Baumbestand, sensibilisieren für die Sortenvielfalt im Kleingarten und machen deutlich, warum besonders alte Obstsorten nicht nur historisch, sondern auch ökologisch und kulturell wertvoll sind.
Bis Ende 2025 konnten in unserer Kleingartenanlage insgesamt 409 Obstbäume erfasst werden. Damit liegt erstmals ein belastbarer Überblick über den Obstbaumbestand im Verein vor – Stand Dezember 2025.
Dokumentiert wurden bislang die Großgruppen Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Quitte, Mispel, Mirabelle und Pfirsich. So wird sichtbar, wie vielfältig der Obstbestand in unserer Anlage ist.
Bisher sind 80 Apfel- und Birnenbäume nach Sorte bestimmt. Darunter finden sich bereits 27 Apfelsorten, 8 Birnensorten sowie 1 Quitte.
Obstbäume mit gut sichtbarem Fruchtbehang zeigen, wie wertvoll der vorhandene Bestand für Ertrag, Vielfalt und Sortenerhalt in der Anlage ist.
Der Bienenweg macht Biodiversität direkt vor Ort sichtbar und verbindet Pflanzenvielfalt, Bildung und naturnahes Gärtnern.
Infotafeln und Insektenhotel zeigen, wie sich Sortenwissen, Artenvielfalt und praktische Umweltbildung im Garten ergänzen.
Der Erlebnisgarten verbindet Obstbestand, Begegnung und Familienfreundlichkeit zu einem lebendigen Lernort in der Anlage.
Ein wichtiger Erfolg der Obstbaumkartierung liegt nicht nur in Zahlen, sondern im sozialen Miteinander. Das Projekt bringt Menschen zusammen, die über unterschiedliche Erfahrungen mit Obstgehölzen verfügen. Ältere Gartenfreund*innen teilen ihr Wissen zu Sorten, Pflege und Nutzung, während jüngere Mitglieder neue Methoden der Dokumentation und digitale Werkzeuge einbringen.
Dadurch wächst nicht nur der fachliche Kenntnisstand im Verein. Es entsteht auch mehr Wertschätzung für die oft jahrzehntelange Pflege der Bäume und für den kulturellen Wert des Obstbaumbestandes in der Anlage.
Besonders wertvoll ist die Zusammenarbeit mit dem Streuobstnetzwerk MV. In diesem Rahmen konnte die Obstbaumkartierung auch als Pilotprojekt für die digitale Erfassung des Obstbaumbestandes einer Kleingartenanlage mit einer Kartier-App vorangebracht werden.
Hinzu kommt die Kooperation mit Dr. Silvia Kastell von der Obstarche Reddelich, die das Design der Obstsortenportraits für unsere Anlage entwickelt hat. So wird Fachwissen nicht nur gesammelt, sondern auch anschaulich aufbereitet und für Vereinsmitglieder sowie Besucher*innen zugänglich gemacht.
Unsere Obstbaumkartierung versteht sich nicht nur als internes Vereinsprojekt. Sie bietet auch Anknüpfungspunkte für andere Kleingartenanlagen, Initiativen und Interessierte, die sich mit Sortenvielfalt, Erfassung von Beständen oder dem Erhalt alter Obstsorten beschäftigen möchten.
Gern teilen wir unsere Erfahrungen, kommen mit anderen Anlagen ins Gespräch und unterstützen den fachlichen Austausch. Auch Anfragen zu Vorträgen oder Vernetzung sind willkommen. Informationen dazu gibt es über Judith Koch beziehungsweise über unseren Verein.
Erfahrungsaustausch zur Sortenbestimmung und zur Pflege alter Obstbäume im Verein.
Seminar- und Gesprächsformate im Garten schaffen Raum für Vernetzung, Fachberatung und gemeinsame Lernprozesse.
Regelmäßige öffentliche Termine des Netzwerks finden vor allem im Rahmen des Gartencafés von April bis Oktober statt – jeweils am letzten Mittwoch im Monat von 17 bis 18 Uhr im Erlebnisgarten.
Weitere Hinweise auf Veranstaltungen, Vorträge und Aktionen veröffentlichen wir fortlaufend über die Netzwerkseite, Presse und Chronik.